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Hochtourenwoche Adamello / Presanella Gebiet

04.09. - 09.09.2017
Rifugio Mandrone - 2422m
Tag 1: Anreise und Aufstieg Rifugio Mandrone

Pünktlich um 07:30 Uhr trafen sich alle Teilnehmer auf dem Parkplatz der Kletterhalle Peißenberg. Alle - das waren: Frank, Jörg, Andy, Paule und meine Person. Ziel war das Trentino, genauer gesagt wollten wir heute Abend auf dem Rifugio Mandrone im Adamello Gebiet, unsere Hochtourenwoche beginnen.

Die 330km Fahrstrecke bis Pinzol verlief reibungslos, ohne jeglichen Stau und Verfahren. Im Ort hieß es dann den richtigen Abzweig in das traumhafte Val di Genova zu finden. Einmal gefunden, fuhren wir eine gefühlte Stunde, immer weiter, immer bergan in eine traumhafte Gebirgslandschaft. Die Mautgebühr war mit 13€ für 3 Nächte in Ordnung. Immerhin waren die kompletten 16km asphaltiert, auch wenn man die gesamte Strecke nur 30hm/h fahren durfte. Dafür hatte man, mehr Zeit zum rausschauen – auch als Fahrer :o).
schmale Strasse ins Val di Genova
Talschluss - Abmarsch
Am Talschluss angekommen, hieß es rein in die „schweren“ Bergstiefel und den doch recht großen Rucksack geschultert. Los geht’s!
Zunächst ging es flach über eine traumhafte Almwiese und durch lichten Wald zum Rifugio Bedole. Dort angekommen, verließen wir den Waldweg und zweigten rechts auf einen steilen Gebirgspfad ab, der uns mit traumhaften Ausblicken verzaubernd, schnell an Höhe gewinnen lässt. Einmal dem Wald entstiegen, befanden wir uns mitten in einer Hochgebirgslandschaft, wo uns von allen Seiten die 3000er zuwinkten. Ich war noch nie in dieser Region und muss sagen, dass diese Ecke seinen ganz eigenen Reiz ausstrahlt. Die letzten Kilometer bis zum Rifugio waren dann schnell überwunden und wir freuten uns auf das Abendessen.
Rifugio Bedole
traumhafte Aussichten
Die Hütte war relativ gut besucht - aber nicht voll. Für 41€ gab es für DAV Mitglieder die Halbpension – wie übrigens auf allen Hütten die wir besuchten. Das Essen war auf ALLEN Hütten hervorragend! Am Abend 3 Gänge und dazu ein „süßes“ Frühstück. Da hätte ich mich allerdings über ein wenig Wurst und Käse gefreut. Was ich aber besonders krass fand – es gab eine Dusche! Mit 4€ nicht ganz günstig, aber ich habe diese Gelegenheit in Anbetracht der eingeschränkten Waschmöglichkeiten der kommenden Tage, noch einmal genutzt. Nach dem Essen genossen wir noch die schönen Blicke, ehe es komplett zuzog und zu regnen begann. Leider gibt es, wie in D/AUT üblich keinen Wetteraushang auf den Hütten, sodass wir mit gemischten Gefühlen was den morgigen Tag betraff, ins Bett gingen.
Blick vom Rifugio Mandrone
Tag 2: wegen schlechtem Wetter Planänderung

Der nächste Morgen begann verregnet. Trotzdem machten wir uns wie geplant auf den Weg Richtung Adamello. Dieser Weg ist die ersten Meter identisch mit dem Aufstieg zum Rifugio Lobbia Alta. Am Gletscher angekommen, schauten uns immer noch bedrohlich dunkle Wolken vom Himmel aus an. Ohne Wetterbericht war uns die Wetterlage zu unsicher. Deshalb fiel nach kurzem Beratschlagen die Entscheidung, dass wir den Adamello verschieben und heute zur Lobbia Alta aufsteigen. Beim ersten Kontakt mit dem "Vedretta del Mandrone", konnte jeder seine Gletscherausrüstung noch einmal checken. Der Weg war unproblematisch, obwohl wir schon den ersten Kontakt mit durchaus beachtlichen Spalten hatten. Diese ließen sich gut umgehen und so kamen wir frühzeitig - gegen 12:30 Uhr - auf dem Rifugio an.
Aufbruch vom Rifugio Mandrone
oberhalb vom Vendretta del Mandron
Vedretta del Mandron
Gletscherspalten
überbleibsel aus einer traurigen Zeit
Refuge to the Fallen dell'Adamello - Lobbia Alta
Nach einer Stärkung mit mit einer schönen Portion italienischer Spaghetti, wollten wir noch eine kleine Akklimatisierungstour zum „Cresta della Croce“ (3208m) unternehmen. Der Aufstieg führte über einen mäßig steilen Gletscher und eine Steilstufe im Fels, welche mit einen Statikseil versichert worden war. Ohne dieses Seil, wäre die Stelle – geschätzt vielleicht III – IV – schon ein Gradmesser für Teile unseres Teams geworden.
In der Scharte angekommen, trafen wir auf eine weitere Seilschaft aus Deutschland. Diese meinte, dass es noch lange dauern würde bis zum Gipfel. Also entschlossen sich Frank und ich noch 10 Minuten weiterzuklettern und dann zu schauen wie weit wir wären. Rein optisch war die Entfernung nicht groß. Das Gelände: ein blockiger Grat, mit einer dünnen Neuschneeauflage. Zum Glück gab es die Spuren der anderen Seilschaft. Dessen Problem war vermutlich nicht die Schwierigkeit des Aufstieges, sondern die optimale Wegfindung. Nach 15 Minuten waren wir auf jeden Fall auf dem Gipfel und ebenso schnell wieder in der Scharte. Abseilen – Steigeisen an und zurück zum Essen fassen, ins Rifugio. Nach dem Essen gab es noch eine kurze Besprechung bezüglich des nächsten Tages und dann ging es, pünktlich zur Hüttenruhe, ins Bett.
Zustieg zum Cresta della Croce
Cresta della Croce - der obere Gratbereich
am Gipfel
am Gipfel
Scharte mit Abseilstelle
Tag 3: Adamello - 3539m

Eigentlich hätten wir etwas früher aufbrechen wollen – uns war die Länge der Tour durchaus bewusst. Die Hütte passt ihre Frühstückszeiten aber anscheinend der Dämmerung an. Laut Plan wäre Frühstück ab 04:30Uhr möglich. Für uns gab es erst gegen 6 Uhr Frühstück.
Trotzdem schafften wir es mit der Dämmerung unterwegs zu sein. Den oberen Rest des Gletschers gingen wir diesmal Steigeisenfrei. Es hatte über Nacht gefroren und die Oberfläche war schön griffig. Die Granitplatten runter, brauchten wir auf Grund der noch noch recht wackeligen Knochen – wohl wieder zu viel Wein am Abend – länger als geplant.
Um 07:45 Uhr waren wir am Gletscher und legten unsere Ausrüstung an. Der lange Marsch über den doch überraschend großen „Vedretta del Mandrone“ konnte beginnen. Die einzige Abwechslung der nächsten Stunden, war eine Steilstufe auf ca. 2900m Höhe, welche uns auf Grund der dort vorhandenen Spalten, ein wenig den Weg suchen ließ. Danach ging es wieder lange flaaaaach weiter.
Abstieg durch Blockgelände
Anlegend er Gletscher-Ausrüstung
laaaaang flach dahin - im Hintergrund die Steilstufe
in der Steilstufe
Spaltenzone...
...
...
...durch.
Irgendwann mussten wir die Entscheidung treffen: Überschreitung oder Normalweg? Ein Blick auf die Uhr und in die Gesichter der Kameraden = Normalweg.
Noch einmal ging es flach über den Gletscher weiter, bis wir am Fuße eines vielleicht 35° steilen Schneefeldes am Aufstieg zum Blockgrad ankamen. Am Fuße dieses Schneefeldes lauerten Spalten, sodass wir uns entschlossen, Teile der Seilschaft zu sichern. Die Unfälle der letzten Wochen, wo es immer wieder zu „Mitreiß-Unfällen“ kam, mit zum Teil tödlichen Ausgang, hallten noch in unseren Ohren.
Nachdem wir dieses Hindernis überwunden hatten, wartete ein blockiger Grat mit Schneeresten auf uns, der uns weiter zum Gipfel führte. Leider hüllte dieser sich immer wieder in Wolken, sodass die Aussicht, leider getrübt war. Noch dazu wartete ein langer Rückmarsch auf unsere müden Knochen, weshalb wir uns nicht lange am Gipfel aufhielten.

Den Weg durch die Spalten zu finden, stellte sich noch einmal als Problem dar. Die dünne Schneeauflage war mittlerweile geschmolzen, deshalb waren unsere Spuren verschwunden und wir mussten neu "navigieren". Alles in allem wares ein sehr langer Tag. Um 19 Uhr gab es das Abendessen. Also musste einer vorlaufen und auf der Hütte Bescheid sagen, dass wir auf dem Weg waren und uns nur ein wenig verspäten würden. Die Wahl fiel auf mich und so konnte ich die letzten Körner „rausblasen“. Den Gipfelerfolg begossen wir an einem feuchtfröhlichen Abend, mit ordentlich Wein.
kurz vor dem steilen Schneefeld
Adamello Gipfelkreuz
Tag 4: Abstieg und Transfer Rifugio Segantini

Den Tag konnten wir etwas langsamer beginnen. Abmarsch war für 08:30 Uhr geplant. Also trafen wir uns erst um 07:30 Uhr zum Frühstück. Im Aufstieg zum „Rifugio Mandrone“ konnten wir den steilen Abbruch der uns hinunter ins Tal führte schon sehen. Jeder hatte einige Fragezeichen im Gesicht, da das imposante Bild mit dem über hundert Meter hohen Wasserfall, schon auf uns gewirkt hat.
Abschiedsfoto Lobbia Alta
in der Querung oberhalb des "Vedretta della Lobbia" - im Hintergrund Crozzon di Lares
Es lief sich aber auf den glattgeschliffenen Granitplatten sehr hervorragend und die Steilstufe gliederte sich immer wieder in Terrassen welche den Abstieg unproblematisch gestalteten. Die steileren Stellen waren mit Drahtseilen versichert und entschärften diese. Trotzdem waren es 1400 hm im Abstieg, da hatten sich die Oberschenkel schon gemeldet.
glattgeschliffene Granitplatten
drahtseilversicherte Stellen
Meine Trango Cube von La Sportiva, hatten mich bis dahin überzeugt. Sie vermittelten mir immer ein sicheres Gefühl, Stabilität und Sensibilität. Gerade auf den glatten Platten klebten sie am Fels. Auch kleinere Tritte, konnte man mit den Schuhen „gut stehen“. Der lange Weg mit Steigeisen, war unproblematisch. Ein hervorragender Ostalpenschuh!
Trango Cube im Einsatz
Trango Cube im Einsatz
Unten angekommen, betraten wir wieder eine Märchenlandschaft – man dachte wirklich, hier könnten sich Bären wohlfühlen und es könnte jeden Augenblick einer um die Ecke kommen. Ich hatte den Fotoapparat immer griffbereit, leider konnten wir keinen entdecken.

Der Blick den Weg zurück war traumhaft und faszinierend.
Blick zurück
Als wir endlich am Auto angekommen waren, hieß es Rucksack runter, waschen, umziehen und die neuen Sachen einpacken. Im Augenblick schien noch die Sonne und es war angenehm warm.

Als nächstes Ziel war geplant, erstmal eine Pizza im Ort essen und dann gestärkt den Aufstieg zur „Segantini“ angehen. Das Problem war aber, um 15:30 Uhr bekommst Du nichts zu essen in den zahlreichen Pizzerias im Ort. Nach einigem Suchen fanden wir einen kleinen Laden wo wir ein Pizzastück (nach Gewicht) kaufen konnten, schnell noch einen Espresso und rein ins Auto - Abfahrt in Richtung Rifugio Segantini.
Wallensteins Lager
Da wir uns mit dem Weg noch nicht im Detail beschäftigt hatten, wussten wir nur: erstmal Richtung Madonna di Campiglio und dann geht es irgendwann links weg. Der Abzweig war dann doch recht schnell gefunden und wir fuhren in ein weiteres Tal in diesem Gebiet, was aber bei weitem nicht so touristisch erschlossen ist wie das „Val di Genova“. Entsprechend war auch der Zustand der Straße, die dafür aber Mautfrei war. Wir kamen wohlbehalten, aber in Wolken gehüllt auf dem Parkplatz in ca. 2100m Höhe an und sattelten die Rucksäcke. Die knapp 400HM bis zum Rifugio, waren schnell überwunden und es eröffnete sich uns ein Wahnsinniger Ausblick, über die Wolken hinweg in Richtung Brenta.

Die Hütte an sich war der Hammer. Neben einem schönen Winterraum, gab es sogar eine Sauna und das Essen war mal wieder hervorragend. Die Betten waren mit normalen Zudecken und Kopfkissen ausgestattet und wir waren im Prinzip alleinige Gäste. Im Gespräch mit den Hüttenleuten, teilte man uns mit, dass es den „alten“ Weg so nicht mehr gibt. Das auftauen der Berge hat die Streckenführung zu gefährlich werden lassen – Steinschlaggefahr!
Die neue Routenführung sei zwar sicherer, aber technisch schwieriger. Dafür sind fast alle gefährlichen Stellen mit neuesten Drahtseilen versehen. Mit diesen Informationen gingen wir trotzdem guten Mutes zu Bett. Aber jeder spürte, dass wir schon 4 Tage unterwegs waren.
Tag 5: Presanella

Abmarsch war um 06:30 Uhr. Der Morgen begann wolkenverhangen. Der Weg war gut markiert, hier haben sich die Einrichter wirklich viel Mühe gegeben. Wir folgten diesen Markierungen in Richtung einer Moräne und auf dieser bis zu einem kleinen Gletscherrest unterhalb der ersten Wand.
der Weg zur Moräne
auf der Moräne
Blick zurück Richtung Brenta
der Weiterweg
Die Ausblicke mit der aufgehenden Sonne waren grandios. Wir machten die eine oder andere Pause mehr, um diese zu genießen.
Ausblicke
Ausblicke
Ausblicke
Der Weg dorthin war teilweise recht steil und man musste durchaus Mal die „Hände aus der Hosentasche“ nehmen. Die Querung des Gletschers war unangenehm, sodass Teile unserer Truppe kurz die Steigeisen rausholten.
der Weg zur ersten "Wand"
Querung des Gletschers
Am Wandfuß angekommen, legten wir das „Kletter-Geschirr“ an. Der Einstieg und die ersten Höhenmeter, war der Weg durchweg Drahtseil versichert. Unten hing Frank zusätzlich noch eine Schlinge ein, um den Einstieg zu erleichtern.
Anlegen der Ausrüstung
Der Einstieg
Zwischendrinnen setzen die versicherten Stellen aber auch immer mal wieder aus. Es war aber nirgends gefährlich, sodass wir das Seil im Rucksack lassen konnten.
traumhaft angelegte Strecke
am Grat
Der Grat war luftig und ließ schöne Tiefblicke in beide Richtungen zu. Hier konnte man auch zum ersten Mal den Gipfel der „Cima Presanella“ erspähen – es war noch weit… Der Abstieg auf der anderen Seite führte durch eine senkrechte Wand, war aber durchgehend sehr gut versichert.
im Hintergrund Cima Presanella
am Grat
Abstieg auf das Geröllfeld
Unten angekommen wartete auf uns ein ätzender Blockhatscher, durch lockeres grobes Geröll. Die einzige Markierung die wir entdeckten, war ein weißer Punkt an der Wand der nächsten Steilstufe. Dazwischen fanden wir nur hin und wieder ein Steinmandl. Mehr war aber in dieser „lebenden“ Landschaft auch nicht möglich. Ständig polterten Steine aus den umliegenden Wänden. Der Berg lebt und verändert sich ständig. In diesem Abschnitt hatten wir viel Zeit und Kraft verloren.
auf diesem
Einstieg zur nächsten Steilstufe hoch zur Schulter
Die nächste Steilstufe war nicht mehr versichert. Es waren aber immer wieder Bohrlaschen gesetzt, sodass wir die müden Kameraden sichern konnten. Das dauert aber…
im Weg hier ungesichert
man konnte hin und wieder in firnfelder ausweichen
Als wir die Schulter endlich erreichten, klappte uns die Kinnlade dann doch nach unten. Der Gipfel war sichtbar, der Weiterweg aber schwierig und bei einem Blick auf die Uhr definitiv nicht mehr machbar. Scheiße zu spät, schoss es mir durch den Kopf und ich bin ehrlich, es kam ein wenig Frust in mir auf.

Wichtiger war es jetzt aber, ALLE sicher wieder zurück zu bringen. Die Müdigkeit war Jedem anzusehen und einen Unfall konnte jetzt keiner gebrauchen. Das Gelände war anspruchsvoll und ALLE waren nicht mehr frisch. Wenn die Physis nicht mehr stimmt, lässt der Kopf auch nach - also volle Konzentration!

Wir kamen pünktlich zum Abendessen auf der Hütte an. Die Woche war ein voller Erfolg, auch ohne Presanella und ich komme wieder!!!
Tag 6: Abstieg bei 4°C im Regen und klettern bei 25°C am Gardasee - Rückfahrt

Den Abstieg am letzten Tag nahmen wir im Regen in Angriff. Wir kamen gut voran und waren deshalb schnell im Tal. Trotzdem waren wir klitschnass, also ab ins Auto und runter Richtung Wärme - Richtung Gardasee.
Unterwegs hielten wir beim Cafe „Panorama Strudel“, natürlich gab es einen Strudel, einen großen Cappuccino und eine riesige Aussicht. Da sich das Wetter mittlerweile bedeutend angenehmer gestalltete, planten wir den weiteren Tag. Ein Teil von uns wollte noch einen Klettersteig in der Gegend machen - Paule und ich wollten zum Gardasee, ein wenig klettern.

Wir setzten die eine Truppe in Dreno ab und machten uns auf den Weg zur „Regina de Lago“. Ich kannte den Klettergarten schon und wusste, dass wir dort schöne lange Sportkletterrouten (30 / 35m - 5c bis 6c) finden würden und dass sich der Andrang auf Grund der 20min Anmarsch in Grenzen halten würde. Wir spulten 4 Routen bis 6b+ ab und trafen uns mit den Anderen wieder in Dreno. Nach einem schönen Abendessen in Sarche, machten wir uns auf den Weg zurück nach Deutschland.

Irgendwann nachts um 12 kamen wir in Peißenberg an. Müde aber glücklich – was für eine Woche!
Regina de Lago