ALPINKLETTERN - MIEMINGER KETTE - KARKOPF

15.10.2017
Letzten Sonntag wollten wir noch einmal das Traumwetter nutzen. Ran an den Fels und klettern! Da zu erwarten war, dass alle Klettergärten wo man auch mit Kindern unterwegs sein kann, restlos überfüllt sein würden, musste etwas anderes her! Auf Menschenmassen hatte ich keine Lust. Ich suchte etwas raus wo der Anmarschweg etwas länger, die Hakenabstände etwas weiter und allgemein das Ambiente etwas Alpiner ist.

Die Wahl fiel auf den Karkopf in den Mieminger Bergen. Die Route ist mit maximal 4 angegeben und soll auch für Kinder gut geeignet sein. Die 2 h Anmarsch werden schon für Ruhe sorgen! Am Parkplatz bekamen wir schonmal einen Vorgeschmack auf das was heute am Berg los sein würde. Der Parkplatz war voll. Vor der Schranke haben ca. 20 Autos auf 300m Weglänge Platz.
Vom Parkplatz folgt man dem ausgeschilderten Weg Richtung Strassberghaus. Hier zweigt rechts der Weg zu den Munde Gipfeln und der Weg zum Adler Klettersteig ab. Wir folgten zunächst noch dem breiten Fahrweg, ehe wir auf den schönen Alpbachsteig abbogen, der uns zur neuen Alplhütte führt. Die Hütte war bis auf den letzten Platz gefüllt, also entschlossen wir uns für den direkten Weitermarsch. Wir folgten dem "Normalweg" zum Karkopf, welcher uns zunächst über Almwiesen und dann immer steiler durch Latschengelände bis zum Wetterkreuz führte. Dort machten wir eine kurze Rast und genossen die grandiose Aussicht. Von dort hat man einen guten Einblick in die Route und den Weiterweg der uns zum Einstieg führte (Bild oben).
Einstiegsbereich
oberer Teil der Route / Ausstieg
Vom Wetterkreuz folgt man noch kurz den Weg zum Karkopf bis man ein Geröllfeld betritt. Dort zweigt man sofort rechts ab und folgt der Reiße in Richtung des sichtbaren Pfades, der uns zu dem, von Wasserrillen zerfressenen Pfeiler führt, bei dem sich der Einstieg befindet. Hier legten wir die Ausrüstung an, packten den Rucksack für die Route und platzierten Pepper unseren Hund. Es war auch sein erster Ausflug in die Berge, wo er so lange alleine an den Rucksäcken zurück bleiben musste.

Das kleine Klettergebiet auf der Südseite des Karkopfes eignet sich vor allem für Anfänger und Kinder, welche das erste Mal schönen rauen Hochgebirgskalk anfassen wollen. Die Wasserrillen in den linken Routen schauten traumhaft aus.
Am Einstieg
Da die Zeit schon ganz schön fortgeschritten war entschlossen wir uns einzelne Seillängen zusammenzufassen. D.h. wir machten aus den Seillängen 1 + 2 eine schöne lange 60m Seillänge, die auch recht steil startete. Die Orientierung war in der gesamten Route unproblematisch, man folgt einfach immer der Rinne, welche sich in unterschiedlicher Steilheit durch die Karkopf Südflanke zieht.
Die Hakenabstände waren für eine Alpinroute doch sehr angenehm, haben aber keine Klettergarten oder Hallenabstände.
4 - 5 m hat man zwischen den einzelnen Fixpunkten. Die Stände waren immer mit einem Ring und teilweise einer zusätzlichen Bohrlasche, vorbildlich eingerichtet - auch wenn diese teilweise etwas seltsam platziert waren.
Die offiziell 3. Seillänge hängten wir ans Original an und hatten so nach kürzester Zeit den abflachenden Mittelteil der Route erreicht.
Im flachen Mittelteil durfte auch mal Paulina ans "scharfe" Ende vom Seil. Bis zum nächsten Stand sind es ca. 50 - 60 m steileres Gehgelände. Wer nochmal eine Rast plant hat hier einen idealen Platz.
Nach dem Flachstück steilt das Gelände dann noch einmal auf und die Schwierigkeiten ziehen bis zum Grad IV+ noch einmal an. Wir hatten von hier noch 3 versicherte Seillängen vor uns. Die Schlüsselstelle ist ein kurzes Stück im oberen 4. Grad. Dort fehlen 2 Bohrlaschen! Man sieht nur noch den Schaft im Fels blinken. Entweder wurden sie durch Steinschlag abgeschlagen oder sie wurden vorsätzlich entfernt. Man muss generell sagen, dass einige Haken durch Steinschlag etwas mitgenommen sind.

Ich denke für Bergkameraden die zum ersten Mal mit der Situation Schlüsselstelle und sehr mangelhafte Sicherung konfrontiert werden, kann es hier schon problematisch werden. Ruhe bewahren, das Gelände ist nicht gefährlich! Den Haken oben kann man in einem leichten Rechtsbogen gut erreichen. Dieser sichert dann den "langen" Zug zum Henkel ab. Danach ist es geschafft! Zumindest was die Route betrifft…

In den Gesichtern konnte man jetzt schon eine gewisse Müdigkeit erkennen. Der Abstieg führte laut Beschreibung am Ausstieg nach ein paar Metern links raus über steiles felsdurchsetztes Grasgelände. Wer hier mit müden Beinen ins straucheln kommt rollt / stürzt weit. Deshalb haben wir uns entschlossen dein weiten aber sichereren Weg, weiter nach oben zu wählen.

Das Gelände ist hier nicht mehr schwierig - wir haben auf das Seil verzichtet - aber mit noch einmal ca. 250 Höhenmeter eine ordentliche Zugabe. Nach besagten ca. 250 HM trifft man auf den Normalweg vom Karkopf, dem man nach links ins Tal folgt.
es ist mittlerweile Abend geworden. Der Munde Gipfel in der Abendsonne.
Nach einer kurzen Rast am Wetterkreuz machten wir uns auf den Abmarsch Richtung Auto. Leider haben wir eine Hütteneinkehr nicht mehr hinbekommen. Trotzdem war es ein langer aber schöner Tag - wahrscheinlich einer der letzten dieses Jahr, bevor der Schnee kommt.
ein letzter Schluck aus der Pulle
noch ein langer Weg ins Tal